Andreas Eiynck
Ein Schulzenhof so groß wie ein Rittergut, Hofgebäude so prächtig wie ein Adelssitz und das traurige Ende einer alteingesessenen Bauernfamilie – das ist der Stoff, aus dem die münsterländische Sagenwelt ihre Motive schöpft. So gilt es jedenfalls für den früheren Schulzenhof Homoet in der Bauerschaft Aulendorf bei Billerbeck, der wegen seiner landschaftlich schönen Lage seit Generationen viel gerühmt wurde. Fritz Westhoff, alias „Longinus“, schrieb 1896 in seinem „Führer durch die Baumberge“: „Am waldreichen Abhange des Aaberges in der feuchten Thalschlucht der Steinfurt Aa, versteckt unter altem Gebüsch und Hecken liegt weltvergessen und traumverloren wie ein Sagenkind aus früheren Jahrhunderten der Schultenhof Homoet, einer der größten Höfe des Münsterlandes. Im Mittelalter wurde er von den Herren von Homoet bewohnt, die wahrscheinlich ein Ministerialengeschlecht der Edlen von Steinfurt waren, welche zu dem Hofe immer Herrlichkeitsbeziehungen gehabt zu haben scheinen. Nach dem Aussterben des Geschlechtes von Homoet wurde (der Überlieferung nach) der Hof auf längere Zeit Witwensitz der Familie zu Bentheim-Steinfurt. Die Vorfahren der jetzigen Besitzer, der Schultenfamilie Homoet, stammen aus Burgsteinfurt und haben den Hof seit dem vorigen Jahrhundert inne. Augenblicklich soll das 1323 Morgen große Erbe wegen Erbteilung verkauft oder in ein Rentengut umgewandelt werden.
Den alten, herrschaftlichen Charakter bekunden heute noch die (über 20 m breiten) Zugänge des von weit ausgedehnten Gräben und Fischteichen umgebenen Hofes, sowie alte Bäume und Gebüsche. Das im Stile des sächsischen Bauernhauses gehaltene, geräumige Wohnhaus ist 1586 neu erbaut, ein gewölbter Keller und der Saal stammen von 1610. 1792 ist das Haus (laut Jahreszahl) umgebaut und 1858 renoviert. Das Thorhaus ist ein Steinbau im Renaissance-Stil; mitten im Wasser steht aus derselben Zeit ein steinerner Turm mit Schießscharten, einst durch verdeckten Gang mit dem Herrenhause verbunden.“